Wie entsteht Diabetes? Alles Wichtige über mögliche Diabetes-Ursachen

Was bei Diabetes passiert, ist klar: Es ist zu viel Zucker im Blut. Wie es dazu kommt, ist oft nicht klar. Von genetischen Faktoren bis hin zum Lebensstil – hier erfährst du, was die Ursachen von Typ-1- und Typ-2-Diabetes und Prädiabetes sind.
Wie entsteht Typ-1-Diabetes?
Typ-1-Diabetes wird manchmal auch „Jugenddiabetes“ oder „juveniler Diabetes“ genannt, weil man lange davon ausging, dass er sich nur in der Kindheit oder Jugend zeigt. Inzwischen weiß man,dass er in jedem Alter auftreten kann. Eine in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlichte Untersuchung fand heraus, dass bei 42% der an Typ-1-Diabetes erkrankten Personen die Diagnose nach dem 30. Lebensjahr gestellt wurde.
Typ-1-Diabetes ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet und die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse angreift und zerstört. Insulin – ein Hormon, das den Blutzuckerspiegel senkt – steht somit wenig bis gar nicht zur Verfügung und der Blutzuckerspiegel steigt aufgrund des Insulinmangels.
„Da das Immunsystem diese insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört, kann die Bauchspeicheldrüse kein eigenes Insulin herstellen. Deswegen müssen Menschen mit Typ-1-Diabetes täglich Insulin zuführen, um ihren Blutzuckerspiegel in Balance zu halten“, erklärt Dr. Tom Donner (M.D.), Associate Professor für Medizin und Direktor des Johns Hopkins Diabetes Center in Baltimore, USA.
Experten gehen davon aus, dass Typ-1-Diabetes größtenteils auf genetische oder noch ungeklärte umweltbedingte Faktoren zurückzuführen ist. „Wir wissen, dass Menschen eine Veranlagung für Typ-1-Diabetes haben können, aber wir sind nicht sicher, was die Erkrankung bei einigen Menschen mit dieser Veranlagung auslöst und bei anderen nicht“, so Dr. Jane Reusch (M.D.), Professorin für Medizin, Bioengineering und Biochemie sowie stellvertretende Direktorin des Ludeman Family Center for Women’s Health Research an der University of Colorado in Aurora, USA. Viele Experten vermuten, dass Umweltfaktoren dabei eine Rolle spielen.
Was erhöht das Risiko für Typ-1-Diabetes?
Forscher gehen davon aus, dass eine familiäre Belastung (wenn also ein Elternteil oder Geschwisterkind die Erkrankung hat) der größte Risikofaktor ist. Wenn beide Elternteile an Typ-1-Diabetes erkrankt sind, liegt der American Diabetes Association zufolge das Risiko, dass das Kind ebenfalls daran erkrankt, zwischen 1:10 und 1:4.
Weitere Faktoren, die bei Forschern zunehmend im Verdacht stehen, das Erkrankungsrisiko für Typ-1-Diabetes zu erhöhen, sind
ein höheres Alter der Mutter bei der Geburt (über 35 Jahre),
Fettleibigkeit im Kindesalter,
eine zuckerreiche Ernährung und
frühe Virusinfektionen, entweder bereits in der Gebärmutter oder sehr früh in der Kindheit.
Auch die Geografie spielt vermutlich eine Rolle. Es ist unklar, warum, aber Untersuchungen zeigen, dass in hohen Breiten Typ-1-Diabetes häufiger auftritt. So meldet Finnland die höchste Inzidenz von Typ-1-Diabetes weltweit.
Obwohl sich ein Typ-1-Diabetes in jedem Alter entwickeln kann, wird beobachtet, dass die Erkrankung zu zwei Zeitpunkten in der Kindheit bzw. Jugend besonders häufig auftritt: im Alter von 4 bis 7 Jahren und zwischen 10 und 14 Jahren.
Wie entsteht Typ-2-Diabetes?
Anders als beim Typ-1-Diabetes produziert der Körper beim Typ-2-Diabetes zwar noch etwas eigenes Insulin, kann es aber nicht richtig nutzen. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes liegt nämlich häufig eine Insulinresistenz vor. Das bedeutet, dass ihr Körper verhindert, dass das Insulin seine Aufgabe erfüllt, also den Zucker (Glukose) aus dem Blut in die Körperzellen zu transportieren und sie damit mit Energie zu versorgen. Der Zucker verbleibt stattdessen im Blut und der Blutzuckerspiegel steigt. Hinzu kommt, dass die Insulinproduktion insgesamt nachlässt.
Die Ursache für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes ist in der Regel eine Kombination aus Veranlagung und ungesundem Lebensstil, wie z.B. Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas) und Bewegungsmangel. Studien zeigen, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes und Adipositas gibt, da schweres Übergewicht zu einer Insulinresistenz führen kann.
Welchen Einfluss haben Gewicht, Ernährung und Bewegung auf das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken?
Wenn es eine Sache gibt, die Forscher über die Umweltfaktoren wissen, die zur Entwicklung von Typ-2-Diabetes beitragen können, dann, dass Übergewicht, eine ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel die Hauptrisikofaktoren sind. „Wer sich ausgewogen ernährt, überschüssige Pfunde abbaut und regelmäßig körperlich aktiv ist, kann seine Insulinempfindlichkeit und die Blutzuckerwerte verbessern“, erklärt Miriam Rohmann, Diplom-Oecotrophologin und Diabetes-Expertin bei WW. Die gute Nachricht ist, dass man all das selbst in der Hand hat. Sehen wir uns genauer an, inwiefern diese Faktoren eine Rolle spielen.
Gewicht
Starkes Übergewicht (Adipositas) – also ein Body-Mass-Index (BMI) von 30 oder mehr – ist der Hauptrisikofaktor für Typ-2-Diabetes. Warum? Das überschüssige Gewicht führt dazu, dass die Zellen die Glukose weniger gut aufnehmen, was eine Insulinresistenz verursacht, ein nachgewiesener Risikofaktor für Typ-2-Diabetes.
Dabei spielt es eine wichtige Rolle, wo sich die Fettpolster befinden. Vor allem die Fettdepots in der Bauchregion können die Insulinresistenz fördern. Dieses Bauchfett, auch Viszeralfett genannt, sieht man nicht, da es die inneren Organe umgibt und Entzündungsprozesse im Körper in Gang setzt, die wiederum die Insulinresistenz fördern.
Ernährung
Eine Ernährung, die reich an Zucker und gesättigten Fettsäuren ist, kann zu Übergewicht führen, was wiederum die Entstehung von Typ-2-Diabetes begünstigt. Zugleich können diese beiden Saboteure das Risiko für Typ-2-Diabetes auch direkt erhöhen, da sie die Insulinresistenz fördern.
Empfehlenswert ist eine Ernährung, die reich an frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, magerem Geflügelfleisch, Fisch, Hülsenfrüchten und gesunden Fetten ist.
Bewegung
Wenn man sich weniger als dreimal pro Woche sportlich betätigt, erhöht sich das Risiko für Typ-2-Diabetes, denn Studien und Richtlinien der American Heart Association zufolge sind mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche erforderlich, um die Blutzuckerregulierung zu unterstützen. Aber keine Bange: Sportliche Betätigung ist in diesem Fall jede Art von Aktivität, ob Spazierengehen, Hausarbeit, Toben mit den Kindern – einfach alles, was in Bewegung hält!
Wie wirken sich andere Erkrankungen auf das Risiko für Typ-2-Diabetes aus?
Ein erhöhter Blutdruck und hohe Cholesterinwerte (besonders bei Menschen mit hohen Triglyzeridwerten) begünstigen die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. „Diese Kombination von Erkrankungen wird als metabolisches Syndrom bezeichnet. Jedes Krankheitsbild des metabolischen Syndroms erhöht zudem das Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfälle“, erklärt Dr. Tom Donner.
Eine moderate Gewichtsabnahme, die Umstellung auf eine gesündere Ernährung und mehr Bewegung können das Risiko für all diese Erkrankungen senken.
Blutdruck
Bluthochdruck, auch Hypertonie genannt, belastet nicht nur das Herz, sondern tritt auch häufig bei Menschen mit Diabetes auf. Forschungsergebnisse zeigen, dass Bluthochdruck bei Menschen mit Diabetes doppelt so häufig vorkommt. Dazu kommt, dass bei Menschen mit Bluthochdruck die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass sie eine Insulinresistenz und damit auch Diabetes entwickeln.
Cholesterinspiegel
Niedrige Werte beim HDL-Cholesterin – auch „gutes“ Cholesterin genannt – und/oder hohe Triglyzeridwerte können das Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, da sie sich direkt auf den Blutzuckerspiegel auswirken.
Risikofaktoren im ÜberblickQuelle: Landgraf et al: Therapie des Typ-2-Diabetes. In: Diabetologie und Stoffwechsel 2021; 16(S 02): S168-S206
Wird Prädiabetes von denselben Faktoren verursacht wie Typ-2-Diabetes?
Bei Prädiabetes sind die Blutzuckerwerte bereits erhöht, aber noch nicht so hoch, dass eine Diabetes-Diagnose gestellt werden kann. Ein Nüchternblutzucker von 100 bis 125 mg/dl zeigt einen Prädiabetes an, bei 126 mg/dl oder darüber liegt ein Diabetes vor.
Wie beim Typ-2-Diabetes sind die spezifischen Ursachen für einen Prädiabetes nicht genau bekannt, aber man weiß, dass genetische Veranlagung, Übergewicht (insbesondere Bauchfett) und Bewegungsmangel eine Rolle spielen.
Die Risikofaktoren sind dieselben wie beim Typ-2-Diabetes:
familiäre Belastung,
ethnische Herkunft,
Alter,
Übergewicht oder Adipositas,
Bewegungsmangel und
das Vorliegen von weiteren Erkrankungen wie Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.