Waldbaden: In der Natur Kraft und Entspannung tanken

Was ist Waldbaden, was bringt es und wie geht es? Wir haben alle Infos und die passende Anleitung für dich.

Waldbaden steht für mehr als eine Jogging-Runde im Wald oder den obligatorischen Sonntagsspaziergang. Komplett in die Natur eintauchen, sich treiben lassen und so der eigenen Gesundheit etwas Gutes tun – das ist Waldbaden. Der Erholungstrend kommt aus Japan, doch die Schweizer Fan-Gemeinde wächst. Wir sagen dir, wie Waldbaden geht und auf welche Effekte du hoffen kannst. Mit unserer Anleitung kannst du sofort loslegen.

Das Konzept Waldbaden stammt aus Japan und heisst ursprünglich „Shinrin Yoku“. Was Waldbaden ist, steckt bereits im Namen: Du verbringst Zeit im Wald und lässt dich dabei ganz auf die Natur ein – ohne Ablenkung und ganz bewusst.

Das Ziel ist es, der Natur mit allen Sinnen verbunden zu sein.

Leistungsdruck und sportliche Ambitionen spielen beim Waldbaden keine Rolle.

Vielmehr geht es darum, zu entspannen, Stress zu reduzieren und die Gesundheit zu stärken. Ausserdem bietet Waldbaden die Chance, dass wir als Menschen unsere Wälder stärker schätzen lernen. Eine Haltung, die zum Naturschutz beitragen kann.

Blonde Frau steht auf einer Wiese und macht Yoga

Entspannter und gesünder leben: Effekte des Waldbadens

Viele Studien haben sich in den letzten Jahrzehnten mit der Wirkung der Natur – und insbesondere des Waldes – auf den Menschen beschäftigt. Die Studienlage ist teilweise unübersichtlich und Ergebnisse aus Japan lassen sich nicht uneingeschränkt auf Schweiz übertragen. Dennoch, es gibt eine klare Tendenz: Die Natur tut uns gut. Aber was bedeutet das genau? Sie scheint uns unter anderem dabei zu helfen, gesund zu bleiben oder es zu werden.

So fand ein schwedischer Forscher1 bereits 1984 raus, dass Krankenhauspatienten, die während der Heilungsphase durchs Fenster ins Grüne schauten, durchschnittlich einen Tag früher nach Hause geschickt werden konnten. Japanische Forscher kamen zu dem Schluss, dass ein Waldaufenthalt nachhaltig den Blutdruck2 senkt. Sogar die Immunabwehr3 konnte gestärkt werden.

Und das Waldbaden kann noch einen weiteren positiven Effekt haben: Das Cortisol-Level, und somit das Stressgefühl4, kann sinken. Das führt auch dazu, dass du gesündere Entscheidungen für dich triffst – zum Beispiel beim Essen. Forschungen zu Terpenen5 (Botenstoffe, die von Nadelbäumen abgegeben werden) weisen ausserdem darauf hin, dass diese unter anderem entzündungshemmend auf uns wirken.

Die Natur hilft uns also, zur Ruhe zu kommen und gesünder zu sein. Ergebnisse, die für Biologen wie Edward Wilson wohl keine Überraschung wären: Schon vor 40 Jahren prägte er den Begriff „Biophilie“ und nahm an, dass Menschen im Laufe ihrer Evolution eine Affinität zur Natur entwickelt haben. Er glaubt: Die Natur zu lieben, liegt uns in den Genen.

Was kostet Waldbaden?

Wer Lust auf ein Bad im Wald hat, kann das zunächst auf eigene Faust tun – und das ist natürlich kostenlos. Fürs Waldbaden brauchst du nämlich keine Vorkenntnisse oder besondere Fähigkeiten. Du musst nicht besonders sportlich sein und kannst das Waldbad auf dich abstimmen.

Dennoch gibt es inzwischen auch Kurse fürs Waldbaden, die dich beim Tauchgang ins Grüne an die Hand nehmen. Die Preise variieren je nach Anbieter und Umfang, die Kosten sind aber grundsätzlich überschaubar. Am besten recherchierst du online nach Kursen in deiner Umgebung. Wenn du eigenständig loslegen willst, verraten wir dir jetzt, wie das geht.

Anleitung: So geht Waldbaden

Du bist von den positiven Effekten auf Körper und Geist überzeugt und fragst dich, wie Waldbaden geht? Grundsätzlich ist das Bad in der Natur flexibel gestaltbar. Finde einen Weg, der zu dir passt und sich gut anfühlt. Dein Waldbad sollte dich nicht überfordern und deiner körperlichen Fitness entsprechen. Es gibt aber ein paar Bausteine, die zu einem effektiven Waldbad dazugehören:

Nimm dir Zeit

Das Wichtigste am Waldbaden: Druck hat hier nichts zu suchen – auch kein Zeitdruck. Die japanischen Begründer des Waldbades empfehlen, mindestens vier Stunden in der Natur zu verbringen, um die besten Effekte zu erzielen. Am besten nimmst du dir an deinem Waldtag sonst nicht viel vor, um dich komplett entspannen zu können. Du hast nicht so viel Zeit? Dann plane einen halben Tag ein und verbringe mindestens zwei Stunden im Wald.

Blonde Frau sitzt in Sportkleidung auf einem Waldboden

Finde den richtigen Wald für dich

Beim Waldbaden sollst du dich ganz auf die Natur einlassen können. Da hilft es natürlich, ein Waldstück auszusuchen, in dem nicht allzu viele andere Menschen unterwegs sind. So fühlst du dich freier und bist unbeobachtet. Damit dein Waldbad gut zu bewältigen ist, ist ein flacher Wald gut geeignet. Dann kommst du nicht so schnell aus der Puste. Du wirst das Waldbad zudem besonders geniessen können, wenn dir der Wald „sympathisch“ ist. Finde ein Fleckchen Natur, das dir gefällt.

Entschleunige und lass dich treiben

Das Waldbad ist weder ein Spaziergang noch eine Wanderung. Nimm das Tempo raus, es gibt kein Ziel und du allein bestimmst die Route. Lass dich treiben und versuche, den Wald mit allen Sinnen wahrzunehmen und zu spüren.

Wenn dir nach einer Pause ist, nimm dir eine. Am besten hast du ein bisschen Proviant und ausreichend Wasser dabei – vielleicht auch ein Buch. Du hast den Impuls, das Moos zu betasten, die Schuhe auszuziehen oder unter einem Baum zu entspannen? Dann mach genau das! Folge deiner Intuition.

Sei achtsam mit dir und der Natur

Achtsamkeit bedeutet so viel wie „Geistesgegenwärtigkeit“. Wenn du achtsam bist, bist du ganz im Hier und Jetzt.

Du nimmst wahr, was dich umgibt, wie sich dein Körper anfühlt und was du riechst, siehst, hörst und spürst.

Frag dich während des Waldbadens: Was erlebe ich gerade? Was macht der Wald mit mir? Wie fühlt sich der Wind auf meiner Haut an? Wie frisch ist die Luft, wenn ich einen tiefen Atemzug nehme? Kann ich den Boden unter meinen Füssen erspüren?

Behandle den Wald mit Respekt

Ein respektvoller Umgang mit der Natur gehört zum Waldbaden dazu. Das bedeutet, dass du den Wald so verlässt, wie du ihn betreten hast. Hinterlasse keinen Müll, gehe behutsam mit dem um, was dich umgibt und wenn du etwas mitnehmen möchtest – zum Beispiel Kastanien, besondere Blätter oder Äste – denk daran, dankbar zu sein. Schliesslich gibt dir der Wald ein Geschenk mit.

Integriere kleine Übungen in dein Waldbad

Wer will, kann sein Waldbad um kleine Übungen ergänzen, um die positiven Effekte zu verstärken. Perfekt geeignet sind Meditationen oder Atemübungen. Auch Chi Gong oder leichte Yoga-Übungen können dir helfen, dich noch mehr mit der Natur zu verbinden, zu entspannen und wohltuende Bewegung zu integrieren. Dafür suchst du dir am besten ein schönes Plätzchen und legst einfach los.

Falls du Unterstützung brauchst, hilft dir die WW App. Hier findest du eine grosse Auswahl an Meditationen und Entspannungsübungen von Headspace.