Bewegung & Sport

Die grössten Fitnessmythen

Was ist wirklich dran?

Egal, ob Training, das vor dem Frühstück besonders effizient ist, oder Muskelmasse, die sich ungenutzt in Fett verwandelt – das Thema Fitness treibt die schönsten Mythen-Stilblüten. Wir haben unsere Sportexpertin Dr. Sabine Puhl zu den gängigsten befragt.

Legende, Fakt oder Wunschdenken?
Ist Sport morgens besser als abends? Nimmt man durch Krafttraining automatisch zu? Während Slogans wie „Schlank und schön in vier Wochen“ den Alltag beherrschen, ist es schwer Fitness-Fakten von -Unwahrheiten zu unterscheiden. Wir haben die populärsten Irrtümer enttarnt.

Mythos 1: Sit-ups lassen das Fett am Bauch „schmelzen“
Tatsache ist, dass man Fetteinlagerungen nicht punktgenau bekämpfen kann. Das Training bestimmter Muskelgruppen lässt leider nicht genau an diesen Stellen das Fett verschwinden. Bewegt man sich jedoch regelmässig, wird das Fett am ganzen Körper abgebaut. Also: Selbst wenn Sit-ups nicht gezielt das Fett am Bauch verschwinden lassen, so helfen sie natürlich trotzdem dabei, die Muskeln und damit deinen Körper zu stärken – das ist die Mühe auf jeden Fall wert!
Mythos 2: Muskeln werden zu Fett, wenn Sie mit dem Training aufhören
Muskeln und Fett haben eine vollkommen unterschiedliche Struktur und werden nicht ineinander umgewandelt oder gegeneinander ausgetauscht. Dennoch gibt es zwei Gründe, die diesen Mythos nähren:
  • Muskeln werden ohne Beanspruchung schlaffer und verlieren an Spannkraft. Ausserdem nehmen sie ungenutzt an Grösse ab.
  • Viele hören mit dem Training auf und vergessen, dass sie dann auch weniger essen können, um die Energiebilanz zu halten. Die Wahrheit ist, wenn du weniger trainierst, kannst du auch nicht mehr so viel essen, da dein Energieverbrauch sinkt.
Mythos 3: Unter 30 Minuten Training verbrennt der Körper kein Fett
Das ist so nicht richtig, die Fettverbrennung läuft permanent. Tatsache ist aber, dass sie nach etwa 30 Minuten deutlich höher ist als zu Beginn. Ausserdem arbeitet die Fettverbrennung von Mensch zu Mensch unterschiedlich effizient. Hauptsächlich hängt sie vom Fitnesslevel jedes Einzelnen ab, denn je trainierter eine Person ist, desto besser kann der Köper Fett verbrennen. Jede Art von körperlicher Bewegung regt die Fettverbrennung an. Also, wann immer du dich bewegst, es lohnt sich!
Mythos 4: Spezielle Nahrungsergänzungsmittel steigern die körperliche Fitness
Hier heisst die goldene Regel: „Ohne Schweiss, kein Preis“. Homeshopping-Kanäle und Anzeigen preisen tagtäglich Wunderpillen und -geräte an. Aber bevor du deine Kreditkarte zückst, denke daran, dass manche Dinge einfach zu gut klingen, um wahr zu sein. Setze lieber auf die bewährte Kombination von Bewegung und gesunder Ernährung.
Mythos 5: Regelmässiges Training mit Gewichten behindert die Abnahme
Im Gegenteil, Krafttraining ist eine hervorragende Ergänzung zum Ausdauertraining! Der Grund: Es hilft, Muskelmasse zu erhalten und reduziert den Körperfettanteil. Nach dem 20. Lebensjahr nimmt die Leistung unseres Stoffwechsels kontinuierlich ab. Das ist hauptsächlich auf den Abbau von Muskelmasse – durch das höhere Alter – und zu wenig Bewegung zurückzuführen. Während des Abnehmens nehmen wir sowohl an Fett- als auch an Muskelmasse ab. Setze also am besten auf ein Kombitraining! Das ideale Verhältnis von Ausdauer- zu Krafttrainingseinheiten entspricht zu Beginn des Trainings 2:1 und sollte sich später auf je 2 Einheiten wöchentlich einpendeln.
Mythos 6: Sport vor dem Frühstück verbrennt am meisten Kalorien
Hierzu gibt es unterschiedliche wissenschaftliche Meinungen, aber keine eindeutigen Studienergebnisse. Wichtig ist in erster Linie, dass du dich möglichst oft bewegst. Selbst wenn Frühsport den Energieverbrauch schon morgens steigert, solltest du hauptsächlich zu der Tageszeit trainieren, die dir passt, sonst ist die Motivation schnell dahin. Wichtig ist, dass du überhaupt trainierst!
Mythos 7: Gewichte an Handgelenken oder Knöcheln steigern den Trainingserfolg
Es ist nicht ungewöhnlich, Jogger mit Gewichten an den Hand- oder Fussgelenken zu beobachten. Wenn du nun denkst, dass diese „Profis“ mehr aus ihrem Training machen als du, liegst du falsch. Die kleinen Hanteln oder Gewichtsmanschetten sind dafür nämlich nicht schwer genug und behindern eher beim Training als dass sie den Trainingseffekt vergrössern. Durch das zusätzliche Gewicht wirst du langsamer in deinen Ausführungen und sie behindern den natürlichen Laufrhythmus. Sollte also mal wieder jemand mit Gewichten an dir vorbeilaufen: Du weisst es besser!
Mythos 8: Übergewichtige sollten keinen Sport treiben
Falsch. Lass es lediglich langsam angehen und kläre mit deinem Arzt, ob Einwände gegen ein Bewegungstraining bestehen! Konzentriere dich darauf, deine tägliche Aktivität zu steigern. Nimm die Treppe statt den Fahrstuhl, fahr öfter mit dem Rad oder geh zu Fuss, gestalte dein Zuhause/deinen Arbeitsplatz so, dass du aufstehen und dich bewegen MUSST. Du solltest nicht alles im Sitzen erreichen können, räume Dinge wie z.B. das Telefon ausser Reichweite.

 

Unsere Expertin
Die Schwerpunkte der Sportwissenschaftlerin Dr. Sabine Puhl liegen in der Bewegungsberatung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sowie der Fortbildung von Fachkräften zu den Themen Diabetes, Adipositas und Motivation.