Blähungen in den Wechseljahren: Ursachen und Abhilfe
Artikelübersicht:
1/ Kann ein aufgeblähter Bauch mit den Wechseljahren zusammenhängen?
2/ Ursachen für Blähungen in den Wechseljahren
3/ Blähungen in den Wechseljahren vorbeugen und lindern
4/ Kann eine Hormonersatztherapie (HET) gegen Aufgeblähtheit in den Wechseljahren helfen?
5/ Wie lange hat man in den Wechseljahren mit Blähungen zu kämpfen?
6/ Blähbauch oder Gewichtszunahme?
7/ Wann sollte man wegen Blähungen in den Wechseljahren zum Arzt?
8/ Fazit
Kennst du dieses unangenehme Gefühl, wenn dein Bauch so aufgebläht ist, dass du denkst, deine Lieblingsjeans wäre bei der letzten Wäsche eingelaufen? Das Gefühl des Aufgeblähtseins ist typisch für die Perimenopause und die Wechseljahre. Und auch wenn nicht viel darüber gesprochen wird, tritt dieses Symptom häufiger auf als man denkt. Aber nur weil es typisch ist, heißt das nicht, dass man die Zähne zusammenbeißen und das unangenehme Gefühl aushalten muss. Die Hauptursache für das aufgeblähte Gefühl in der Bauchgegend sind meist Hormonschwankungen. Ein paar kleine Veränderungen in Sachen Ernährung, mehr Bewegung und gezielter Stressabbau können uns dabei helfen, uns besser zu fühlen. Schließlich sind die Wechseljahre schon anstrengend genug, auch ohne das ständige Gefühl, einen Ballon verschluckt zu haben.
Kann ein aufgeblähter Bauch mit den Wechseljahren zusammenhängen?
Ja, das Völle- und Druckgefühl in der Bauchgegend, das mit den Wechseljahren vermehrt auftritt, ist keine Einbildung. Dr. Monica Christmas (MD), stellvertretende medizinische Leitung von The Menopause Society und Leiterin des Programms für Frauen in den Wechseljahren an der Universität Chicago erklärt: „Im Zusammenhang mit den Wechseljahren kann es vorkommen, dass Frauen sich häufiger aufgebläht fühlen, sowohl in der Perimenopause als auch während der Wechseljahre allgemein.“ Der Grund? Veränderungen im Hormonhaushalt und andere altersbedingte Faktoren.
Ursachen für Blähungen in den Wechseljahren
Ein Blähbauch in den Wechseljahren lässt sich nicht auf eine einzige, bestimmte Ursache zurückführen, sondern ist das Ergebnis verschiedener körperlicher Veränderungen, die in dieser Lebensphase oft gleichzeitig auftreten.
Hormonschwankungen
Wie bei den meisten Wechseljahresbeschwerden sind auch hier Hormone zumindest teilweise der Auslöser. „Die Schwankungen der Hormone Östrogen und Progesteron während der Prämenopause und Menopause können zu Flüssigkeitsansammlungen führen, die wiederum einen Blähbauch verursachen können“, sagt Carrie Eng-Mazur. Sie ist staatlich geprüfte Gesundheitspflegerin aus New Jersey sowie Leiterin und Inhaberin der Frauenklinik Rejuvenate Women’s Wellness.
Auch unser Verdauungssystem reagiert auf die Hormonschwankungen. Sowohl Östrogen als auch Progesteron können die Geschwindigkeit beeinflussen, mit der die Nahrung unseren Verdauungstrakt durchläuft. Das kann unter anderem zu Blähungen führen. Da es auch im gesamten Verdauungssystem Östrogenrezeptoren gibt, können hormonelle Schwankungen dazu beitragen, dass sich Frauen in den Wechseljahren schneller aufgebläht fühlen. Aktuelle Studien zeigen außerdem, dass hormonelle Veränderungen während der Wechseljahre auch Einfluss auf die Darmflora haben. Das wirkt sich auf die Verdauung aus und kann vermehrt Blähungen verursachen.
Veränderungen im Verdauungstrakt
Neben hormonell bedingten Veränderungen arbeitet unser Verdauungssystem mit zunehmendem Alter außerdem weniger effizient und wird langsamer. Viele Frauen merken dann, dass sie bestimmte Lebensmittel, die sie früher gerne gegessen haben, nicht mehr so gut vertragen und sich nach dem Essen aufgebläht fühlen. „Bei Frauen kann es zu Veränderungen in der Darmflora kommen – bestimmte Bakterien gehen verloren oder neue siedeln sich an. Dadurch kann die Vielfalt des Mikrobioms abnehmen“, sagt Eng-Mazur. „Wenn sich die Darmflora verändert, kann das zu Gewichtszunahme, einer Verlangsamung des Stoffwechsels und Blähungen führen.“
Verlangsamter Stoffwechsel
Die mit dem Alter einhergehende Verlangsamung unseres Stoffwechsels (vor allem ab 60) kann ebenfalls Verdauungsprobleme verursachen. Es gibt zahlreiche Gründe, warum sich unser Stoffwechsel im Alter verändert. Wesentliche Ursachen sind die abnehmende Muskelmasse, weniger Bewegung und altersbedingte Veränderungen der Organfunktionen. Je langsamer der Stoffwechsel arbeitet, desto langsamer transportiert der Körper die Nahrung durch den Magen-Darm-Trakt. Damit steigt das Risiko für Blähungen, Aufgeblähtheit und Verstopfung.
Stress
Studien zeigen, dass die meisten Frauen sich in der Perimenopause gestresster fühlen als sonst. Das liegt einerseits an den allgemeinen Stressfaktoren, die mit dieser Lebensphase einhergehen: Beruf und pubertierende Kinder wollen unter einen Hut gebracht werden, während man sich um die eigenen Eltern sorgt, die nicht mehr die jüngsten sind. Zusätzlich tragen aber auch typische Wechseljahresbeschwerden wie Müdigkeit, hervorgerufen durch Schlafstörungen sowie die Angst vor Hitzewallungen zu vermehrtem Stress bei. Der mit diesem Stress einhergehende Anstieg von Cortisol kann Magenbeschwerden und Blähungen auslösen. Darüber hinaus kann ein erhöhter Cortisolspiegel bewirken, dass mehr Bauchfett angelagert wird.
Blähungen in den Wechseljahren vorbeugen und lindern
Egal, ob wir uns erst seit Kurzem gelegentlich aufgebläht fühlen, oder ob das unangenehme Gefühl in unserem Bauch schon zum täglichen Begleiter geworden ist: Die folgenden wissenschaftlich fundierten Ansätze können dabei helfen, diese Symptome zu lindern.
Vorbeugen
Um einem Blähbauch in den Wechseljahren vorzubeugen, ist es vor allem wichtig, ein paar kleine Veränderungen an seinem Lebensstil vorzunehmen.
- Ernährung anpassen: Bestimmte Lebensmittel oder Getränke begünstigen einen Blähbauch stärker als andere. Wenn wir die Auslöser kennen, können wir sie gezielt meiden. Zu den häufigsten Übeltätern zählen Bohnen, Linsen, Kreuzblütler, Milchprodukte (vor allem, wenn man laktoseintolerant ist) sowie kohlensäurehaltige Getränke. Auch ballaststoffreiche Lebensmittel, Zwiebeln, Knoblauch und künstliche Süßstoffe können zu Blähungen führen. Christmas rät: „Wenn bestimmte Lebensmittel Symptome auslösen, hilft es, weniger davon zu essen oder ganz darauf zu verzichten.“ Es bietet sich an, ein Ernährungstagebuch zu führen, um Zusammenhänge zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Allerdings sollte man nicht zu sehr an Ballaststoffen sparen. In den Wechseljahren braucht unser Körper mindestens 25 Gramm am Tag.
- Ausreichend trinken: Es mag unlogisch klingen, da Wassereinlagerungen zu Aufgeblähtheit führen, aber ausreichend Wasser zu trinken kann tatsächlich helfen. Das liegt daran, dass Dehydrierung zu Verstopfung führt und Verstopfung wiederum zu Aufgeblähtheit.
- Regelmäßig bewegen: Sport hilft uns nicht nur dabei, die Verdauung in Schwung zu halten und einen Blähbauch zu vermeiden, sondern hat auch viele andere Vorteile. „Regelmäßige Bewegung, vor allem Krafttraining, ist in dieser Lebensphase und auch darüber hinaus sehr wichtig, denn es hilft, die Muskelmasse zu erhalten“, sagt Christmas.
- Stress bewältigen: Je mehr man den Einfluss von Cortisol auf das Verdauungssystem verringert, desto besser. Wie man da am besten vorgeht, ist ganz individuell. Studien belegen aber, dass Achtsamkeit, Meditation und Entspannung – je nachdem, was für einen persönlich am besten funktioniert – besonders wirksam sind, um Stresshormone abzubauen.
Behandlung
Wenn Vorbeugen nicht reicht, können folgende Maßnahmen gegen Blähungen in den Wechseljahren helfen:
- Rezeptfreie Medikamente: Rezeptfreie Medikamente aus der Apotheke können helfen, indem sie die kleinen Gasbläschen im Darm zu größeren Bläschen zusammenführen. Dadurch kann die eingeschlossene Luft leichter aus dem Körper entweichen.
- Sanfte Bewegung: Studien zeigen, dass Bewegung die Verdauung anregt, Blähungen reduziert und gegen einen aufgeblähten Bauch hilft. Dazu zählt auch ein Spaziergang nach dem Essen.
- Verdauungsenzyme: Verdauungsenzyme sind rezeptfreie und teilweise rezeptpflichtige Produkte, die die Verdauung unterstützen und nachweislich gegen Blähungen helfen. Das bekannteste Enzym ist Laktase, welches Menschen mit Laktoseintoleranz häufig nutzen.
- Probiotika: Zwar ist die Forschung hier noch nicht ganz abgeschlossen, doch einige Studien zeigen bereits, dass Probiotika bei Menschen mit Reizdarmsyndrom einen Blähbauch verhindern können. Deshalb stehen auch Probiotika auf Christmas' Liste der Dinge, die man ausprobieren kann. Zwei vielversprechende Kandidaten: Sowohl Lactobacillus als auch Bifidobacterium können zur Unterstützung einer gesunden Darmflora beitragen.
- Magnesium: Magnesium kann helfen, indem es die Verdauungsmuskeln entspannt. Bereits 200 mg Magnesium täglich können nach einem Monat dazu beitragen, prämenstruelle Wassereinlagerungen und Blähungen zu reduzieren.
- Pflanzliche Mittel: Auch wenn die Forschung die Wirksamkeit bestimmter Mittel noch nicht nachgewiesen hat, kann ein Versuch nicht schaden. Einige Frauen berichten beispielsweise, dass Pfefferminz- oder Ingwertee bei Blähungen Abhilfe schafft.
Es gibt viele Möglichkeiten, Blähungen in den Wechseljahren zu lindern. Am besten sprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, um herauszufinden, ob und was für dich passt.
Kann eine Hormonersatztherapie (HET) gegen Aufgeblähtheit in den Wechseljahren helfen?
Der Zusammenhang zwischen Hormonersatztherapie und Aufgeblähtheit ist recht komplex. Die Hormonersatztherapie (HET), auch Menopausale Hormontherapie (MHT) genannt, wirkt, indem Hormone in den Blutkreislauf oder das Scheidengewebe abgegeben werden (je nachdem, welche Form der HET verschrieben wird). Während manche Frauen berichten, dass sie sich durch die HET weniger aufgebläht fühlen, kommt es bei anderen als Nebenwirkung vermehrt zu Blähungen. Deshalb wird die HET normalerweise nicht zur Behandlung von Aufgeblähtheit eingesetzt. Das heißt jedoch nicht, dass sich manche Frauen damit nicht besser fühlen. „Eine HET kann gegen Aufgeblähtheit helfen, sobald die Therapie den Hormonspiegel ausgleicht. Zu Beginn der HET kann es jedoch zu Blähungen und Wassereinlagerungen kommen“, sagt Eng-Mazur.
Kommen zu einem Blähbauch noch andere starke Wechseljahresbeschwerden dazu, könnte es also sinnvoll sein, sich hinsichtlich einer HET medizinisch beraten zu lassen. Christmas nennt vier Hauptgründe, wann eine Hormontherapie sinnvoll sein kann.
- Mittlere bis starke Hitzewallungen und Nachtschweiß
- Mittlere bis starke Beschwerden im Intimbereich wie Scheidentrockenheit
- Zur Vorbeugung von Osteoporose
- Frühe Menopause (vor dem 45. Lebensjahr)
Wie lange hat man in den Wechseljahren mit Blähungen zu kämpfen?
Es gibt keinen festen Zeitplan, ab wann Blähungen in den Wechseljahren auftreten und ab wann nicht mehr. Einige Frauen haben dieses Symptom nur kurz auf dem Höhepunkt der Hormonumstellung, während es andere die gesamte Perimenopause begleitet, die zwei bis zehn Jahre dauern kann. „In der Zeit vor der Menopause kann es zu starken Hormonschwankungen kommen, die definitiv zu Blähungen führen können“, sagt Christmas.
Sobald sich der Hormonspiegel nach der Menopause stabilisiert hat, stellen viele Frauen fest, dass die Symptome nachlassen. Allerdings können altersbedingte Veränderungen wie ein verlangsamter Stoffwechsel und eine trägere Verdauung weiterhin dafür sorgen, dass man sich gelegentlich aufgebläht fühlt.
Blähbauch oder Gewichtszunahme?
Viele Frauen fragen sich, ob ihre zu engen Hosen auf einen vorübergehenden Blähbauch oder eine tatsächliche Gewichtszunahme zurückzuführen sind – vor allem, weil in den Wechseljahren beides auftreten kann. Trotzdem gibt es ein paar Anhaltspunkte, wie man das eine vom anderen unterscheiden kann. „In Sachen Symptome gibt es zahlreiche Unterschiede zwischen einem Blähbauch und tatsächlicher Gewichtszunahme im Bauchbereich“, sagt Eng-Mazur. „Ein Blähbauch ist nur vorübergehend und dehnt sich eher aus, ohne dass sich das Gewicht auf der Waage ändert. Aufgeblähtheit kann manchmal auch mit anderen Symptomen wie Sodbrennen und Magenverstimmungen bzw. Unwohlsein einhergehen. Eine Gewichtszunahme im Bauchbereich verursacht hingegen keine der oben genannten Symptome. Der Bauch fühlt sich durch die Fettansammlung weich an und das Gewicht auf der Waage steigt.“
Sie fügt hinzu, dass sich die Behandlungsmethoden wie Abnehmprogramme, Abnehmmedikamente oder HET stark unterscheiden: „Gegen den Blähbauch hilft eine Ernährungsumstellung und das Meiden von Auslösern sowie gegebenenfalls eine HET oder Nahrungsergänzungsmittel, die die Symptome lindern. Bei Gewichtszunahme empfehlen sich eine Ernährungsumstellung und Veränderungen im Lebensstil, regelmäßige Bewegung sowie gegebenenfalls eine HET, Nahrungsergänzungsmittel oder eine Gewichtsreduktion unter ärztlicher Aufsicht.“
Wann sollte man wegen Blähungen in den Wechseljahren zum Arzt?
Sich ab und zu aufgebläht zu fühlen, ist ganz normal. Es gibt allerdings Anzeichen, bei denen man lieber einen Arzt konsultieren sollte:
- Der Bauch ist über einen längeren Zeitraum stark aufgebläht und schmerzt
- Zu einem aufgeblähten Bauch kommen weitere Symptome wie nicht erklärbarer Gewichtsverlust, Blut im Stuhl, starke Bauchschmerzen, Gelbsucht oder Probleme beim Wasserlassen
- Symptome, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen
- Auffällige Veränderungen des Stuhlgangs
- Ein dauerhaft aufgeblähter Bauch, der trotz Änderungen im Lebensstil nicht zurückgeht
Eng-Mazur weist darauf hin, dass diese Symptome Anzeichen anderer möglichen Erkrankungen sein können. Der Arzt kann feststellen, ob die Aufgeblähtheit mit den Wechseljahren zusammenhängt oder ob eine andere Ursache vorliegt, die eine entsprechende Behandlung erfordert.
Fazit
Blähungen in den Wechseljahren sind zwar unangenehm, für die meisten Frauen aber eine ganz normale Begleiterscheinung der Hormonumstellung. Hormonelle Veränderungen, altersbedingte Verdauungsprobleme, ein verlangsamter Stoffwechsel, Wassereinlagerungen oder vermehrter Stress können die Ursache sein. Es gibt einige Dinge, die wir tun können, um einen aufgeblähten Bauch zu verhindern, wie bestimmte Lebensmittel meiden, regelmäßig Sport treiben, Stress reduzieren und genug trinken. Eine Hormonersatztherapie kann manchen Frauen helfen, ist aber keine Garantie und kann in einigen Fällen die Symptome sogar verstärken. Hier sollte auf jeden Fall ärztlicher Rat eingeholt werden.
Häufig gestellte Fragen
Die Auslöser sind zwar individuell unterschiedlich, häufig sind es aber Milchprodukte, kohlensäurehaltige Getränke, frittierte Lebensmittel sowie blähende Gemüsesorten wie Bohnen, Kohl und Brokkoli, die Beschwerden verursachen.
Probiotika, Verdauungsenzyme und Magnesium können bei einem Blähbauch in den Wechseljahren helfen. Sprich immer erst mit deinem Arzt, bevor du neue Nahrungsergänzungsmittel zu dir nimmst.
Einige Frauen berichten, dass Apfelessig gegen einen Blähbauch in den Wechseljahren hilft. Das könnte daran liegen, dass Apfelessig die Verdauung und Darmgesundheit fördert sowie den pH-Wert im Magen ausgleicht. Das ist allerdings wissenschaftlich nicht hinreichend belegt.
Dieser Inhalt dient nur zu Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar. Er sollte nicht als Ersatz für den Rat eines Arztes/einer Ärztin oder eines medizinischen Fachpersonals betrachtet werden.
