Rückenschmerzen im unteren Rücken: Woher kommen sie und was hilft?

„Geht nicht, ich hab' Rücken!“ Wahrscheinlich hat das fast jeder Erwachsene schon mal klagend bemerkt. Kein Wunder, denn Rückenschmerz ist oft die Nummer 1 der Schmerz-Kandidaten in der Schweiz. Etwa 70 % der Betroffenen leiden dabei unter Schmerzen im Bereich der Lendenwirbel. Doch woher kommen die Schmerzen im unteren Rücken eigentlich? Und was kann ich bei akuten Schmerzen tun?

So komplex das Thema Rückenschmerzen auch ist, bei den folgenden Basics sind sich die unterschiedlichen Fachrichtungen überwiegend einig.

Woher kommen Schmerzen im unteren Rücken?

Die Ursachen sind vielfältig und selten kann eine einzige Quelle für den Schmerz ausgemacht werden. Vielmehr kommen bei den meisten Menschen mehrere Faktoren zusammen. Einen der Hauptgründe stellt der Mangel an Bewegung dar. Denn dieser ist häufig mit einseitigen Belastungen verbunden und führt zur Unterversorgung von Muskeln, Knochen, Bändern und Faszien. Vor allem letztere werden zunehmend als Ursache für Schmerzen im unteren Rücken in den Fokus der Forschung gerückt.

Aber auch entzündete Nerven kommen als körperliche Ursache in Frage, da diese sehr sensibel sind und bereits auf kleinste Veränderungen reagieren. Zudem spielen psychische Faktoren eine bedeutsame Rolle, wobei insbesondere Dauerstress die Situation rund um den Schmerz negativ beeinflussen kann.

Spannend: Die Ursache allein auf Verschleiss und strukturelle Veränderungen (z.B. abgenutzte Bandscheiben) zu reduzieren, ist heute nicht mehr üblich. So gibt es unzählige Menschen, deren Schäden auf MRT- oder Röntgenbildern sichtbar sind, die aber komplett schmerzfrei sind.

Wann sind Rückenschmerzen gefährlich?

Schmerzen sind eindeutige Signale vom Körper und zeigen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Aus diesem Grund sollten diese immer beachtet werden. Doch selbst starke Rückenschmerzen sind in den allermeisten Fällen ungefährlich und verschwinden nach einigen Tagen. Ist dies nicht der Fall, empfiehlt es sich, die Ursachen abklären zu lassen.

Bei den folgenden Symptomen sollte jedoch unmittelbar ein Arzt aufgesucht werden:

  • die Schmerzen ziehen bis ins Bein oder gar in den Fuss hinunter
  • im Stand kann der Fuss kann nicht mehr gehoben werden
  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln in den Beinen
  • Verlust von Blasen- oder Darmkontrolle

Was hilft sofort bei Rückenschmerzen?

Wer unter akuten Schmerzen leidet, möchte so schnell wie möglich Hilfe. Zum Glück gibt es ein paar einfache Massnahmen, die entlasten und schmerzhafte Verspannungen lindern.

  • Hierzu zählen Stufenlagerung und Dehnübungen (Anleitung siehe unten) sowie warme Bäder oder sanfte Massagen.
  • Rühren die Schmerzen eher von einer Entzündung, kann dagegen Kälte (z. B. mit Kirschkernkissen) ein probates Mittel sein.
  • Bei Bedarf können auch rezeptfreie, schmerzhemmende Medikamente zum Einsatz kommen, die allerdings nicht länger als drei Tage eingenommen werden sollten.

5 einfache Übungen bei Schmerzen im unteren Rücken

Stufenlagerung

  • Lege dich so auf den Rücken, dass du deine Unterschenkel auf einem Stuhl, Sofa oder ähnlichem ablegen kannst.
  • Bilde nun mit deinen Ober- und Unterschenkel einen rechten Winkel.
  • Bleibe in dieser entlastenden Position ca. 10 Minuten liegen und versuche gleichmässig sowie entspannt zu atmen.

Becken kreisen

  • Lege dich flach auf den Rücken und stelle die Beine angewinkelt auf. Füsse und Knie berühren sich.
  • Jetzt hebe die Füsse an und führe die Knie in Richtung Oberkörper. Umfasse dann mit deinen Händen die Knie und unterstütze so den Zug in Richtung Oberkörper.
  • In dieser Päckchen-Haltung, beginne nun langsam mit dem unteren Rücken zu kreisen, etwa 1 Minute im Uhrzeigersinn, dann andersherum.

Überstrecken im Stehen

  • Stelle dich aufrecht hin, die Füsse schulterbreit und lege die Hände auf die Hüften. Deine Ellbogen zeigen nach hinten.
  • Beim Ausatmen führst du den gestreckten Oberkörper langsam nach hinten in die leichte Überstreckung, beim Einatmen kommst du langsam wieder nach vorne. Die Schultern bleiben dabei entspannt unten.
  • Wiederhole die Übung etwa 5 x.

Seitliches Beckenkippen

  • Lege dich flach auf den Rücken und stelle die Beine angewinkelt auf. Füsse und Knie dicht zusammen. Strecke deine Arme auf Schulterhöhe seitlich aus.
  • Nun lasse die Knie sanft nach rechts unten absinken, dort halten und entspannt atmen. Dann die Knie wieder hochführen und zur anderen Seite absenken.
  • Wiederhole die Übung 3-5 x.

Ilustration einer Frau, die mit angewinkelten Beinen auf dem Boden liegt und seitlich ihr Becken kippt.

Abrollen

  • Setze dich aufrecht auf einen Stuhl und lasse deine Arme locker neben dem Körper hängen.
  • Nun langsam mit dem Oberkörper nach vorne gehen und auf die Oberschenkel legen. Die Hände können dabei die Fussgelenke umfassen.
  • In dieser Position etwa 30 Sekunden verweilen und tief ein- und ausatmen.

Wichtig ist, auf zu lange Schonung zu verzichten, da langes Liegen die Schmerzen eher fördern. Sobald es also wieder möglich ist, versuche wieder in Bewegung zu kommen. Zum Beispiel mit gemütlichen Spaziergängen an der frischen Luft.

Klassifizierung von Rückenschmerzen

Einteilung nach Dauer

Unterteilt werden Rückenschmerzen gewöhnlich in akut und chronisch.

  • Akute Schmerzen treten plötzlich auf und sind zeitlich begrenzt - maximal jedoch 6 Wochen.
  • Von chronischen Schmerzen spricht man, wenn diese länger als 12 Wochen andauern.
  • Manchmal findet man auch den Begriff subakut. In Bezug auf die Schmerzdauer liegt der subakute Schmerz zwischen akut und chronisch, dauert also länger als 6 Wochen und kürzer als 12 Wochen.

Einteilung nach Ursache

In den Leitlinien der Bundesärztekammer (siehe Quellen) werden spezifische und nicht-spezifische Rückenschmerzen unterschieden.

  • Hiernach haben spezifische Rückenschmerzen eine somatische Ursache, deren gezielte Therapie positiven Einfluss nehmen kann (z. B. eine Fraktur oder eine Entzündung).
  • Bei nicht-spezifischen Schmerzen ist die Ursache dagegen nicht eindeutig feststellbar. Ein klarer Zusammenhang zwischen genannten Beschwerden, klinischem Befund und bildgebender Diagnose kann also nicht nachgewiesen werden. Die nicht-spezifischen Rückenschmerzen machen etwa 80-90 % der Fälle aus.

Neben dieser sehr groben Einteilung finden sich in der aktuellen Literatur weitere Arten von Rückenschmerzen, die versuchen, den Schmerztypus ursächlich zu präzisieren und verständlicher zu beschreiben, wie z. B. Spannungs-, Überlastungs-, Entzündungs-, oder Schädigungsschmerz.

Einteilung nach Stärke

Eine Typisierung des subjektiven Schmerzempfindens erfolgt gewöhnlich anhand von Skalen. Vereinfacht z.B. von 0 = keine Schmerzen bis 10 = unerträgliche Schmerzen.


Quellen

  • Barmer. (2019). Rücken aktiv, bewegen statt schonen. Axel Springer Verlag.
  • Casser, H.R., Seddigh, S. & Rauschmann, M. (2016). Akuter lumbaler Rückenschmerz. Deutsches Ärzteblatt, 113 (13).
  • Froböse, I. (2018). Das neue Rücken-Akut-Training. Goldmann Verlag.
  • Kempf, H.-D. (2018). Die Rückenschule. Nikol Verlag.
  • Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz – Kurzfassung, 2. Auflage. Version 1. 2017.